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insight traveling: Madagascar
Categories: lifestyle, summer

It’ s time to surf again…thinking about where to go I found this story I wrote about Madagascar a couple of years ago. Thereby the idea came to my mind that I would like to share some of my travel knowledge with you and also give you some inspiation for your summer or winter trips. Hope you like that idea and if you want to know something specific you can get back to me.

You can watch a 5 min clip on our trip

 

or you can read the story (I wrote it a couple of years ago but things did not change much there…) and look at some pics (story is in german language right now – will translate it soon, if you want me to…):

 

Nach einem langen guten Winter ist es für uns snowboardende Alpländler (Bibi Pekarek, Flo Orley, Mitch Tölderer) wieder an der Zeit die vertrauten schneebedeckten Berge gegen das geheimnisvolle tiefe Blau des Ozeans zu tauschen. So machen wir uns auf den Weg 2.000 km der Südküste Madagaskars zu erkunden, um einsame Wellen in einer einsamen, exotischen Gegend zu finden und zu surfen. Zweieinhalb Monate dauert die Reise mit einem Vitara, voll bepackt mit Surf-, Camp-, und Kitestuff. Manche Dörfer sind so entlegen, dass sie nur mittels Pirogues, kleinen Auslegerbooten, zu erreichen sind…

Einsam und Einzigartig

Als vor über 100 Millionen Jahren der Urkontinent Godwana zerbrach, blieben an der Bruchstelle zwischen Afrika und Asien zwei große Landmassen im Meer erhalten: im Osten Sri Lanka und im Westen Madagaskar. Das zumindest ist der geologische Ausgangspunkt. Sprechen wir in Zahlen so ist Madagaskar die 4. größte Insel der Welt . Ist man hier, so spielt weder Geologie noch Statistik eine Rolle. Vielmehr fühlt man die ungezähmte Ursprünglichkeit der Insel. Daran haben auch Jahrhunderte an eifriger Kolonialisierung und Missionierung nichts ändern können.

Die isolierte Lage Madagaskars ermöglichte den Fortbestand einer einzigartigen Flora und Fauna, denn diese konnten sich in Millionen Jahren unabhängig von den Spezies des afrikanischen und asiatischen Festlandes entwickelt. Hinzu kamen die klimatischen Besonderheiten, die die Evolution ebenso maßgeblich beeinflussten. Fast alle Säugetierarten sind endemisch, kommen also nur auf Madagaskar vor. Die 19 Volksstämmen, charakterisiert durch eine afro-asiatische Verschmelzung, teilen sich die Insel bis auf den heutigen Tag. Wie, wann, warum sie einst aus Asien und Afrika kamen, weiß bis heute niemand so genau.

Tradition ist alles

Das Leben im trockenen Süden der Insel ist hart. Die Dörfer zeugen von Armut. Doch statt Mitleid erwecken sie Erstaunen. Darüber, wie Leute so entspannt wirken können. Meist hocken sie vor strohgedeckten Hütten, im Schatten dicker Dorfbäume; so reglos, als wären sie im selben Tempo gewachsen wie der Stamm in ihrem Rücken. Auch aus den Gesichtern der kleinen Madagassen strahlt nicht Hoffnungslosigkeit, sondern Lebensfreude und Optimismus.

Ziegen, Schafe und Zeburinderherden werden durch das ungastliche Gestrüpp aus dornigen Büschen und Kakteen getrieben, die durch Abweidung zur Desertifikation beitragen. Doch besonders die buckeligen Zeburinder sind von großer kultureller Bedeutung. Die Rinder sind nicht nur Fleisch und Milchlieferanten, sowie Zugtiere für die wunderschönen Holzkarren, die mit Fellen überspannt sind, sondern sie bilden auch die Verbindung zwischen Lebenden und Ahnen und werden bei Totenfesten geopfert. Ihre Hörner schmücken danach die überdimensionierten Grabdenkmäler und garantieren, dass der Verstorbene als reicher Mann zu seinen Ahnen geht.

Ja, Traditionen sind wichtig für die Madagassen. So gibt es auch Fadys, ein Netz aus Geboten und Verboten verschiedenster Formen, die stark von Dorf zu Dorf variieren können und das soziale Leben bestimmen. Da der Ursprung eines Fadys meist lange zurückliegt und sich sein Sinn und Inhalt aus konkreten Erfahrungen des Dorfes ergeben, blieben sie für uns ein Mysterium und erschienen oftmals sogar absurd. An manchen Plätzen war es nicht erlaubt seine kleine Notdurft  zu verrichten, auch wenn nichts als Sand, Steine und Gestrüpp in Sicht war. In einem Dorf durfte man nicht mit dem Finger auf das offene Meer zeigen, im anderen Dorf  keine Landschildkröten essen (ein Verbot, dass ökologisch durchaus sinnvoll ist), der Verzehr von Wasserschildkröten ist hingegen kein Tabu. Tsilavo respektiert die Bräuche seines Landes auch wenn er manchen kritisch gegenüber steht wenn er erzählt: “Manche Traditionen kann ich nicht verstehen. Stell dir vor du bist krank und deine Familie will kein Zebu verkaufen um dir Medikamente zu besorgen; stirbst du an deiner Krankheit so opfern sie zehn Rinder für deine Totenfeier.“

Local surfer

Tsilavo stammt aus Fort Dauphin, der größten Stadt im Südwesten, und  auch für ihn ist es die erste Reise durch sein eigenes Land. Wir trafen Tsi am Beginn unseres Trips und luden ihn ein mit uns zu fahren. Zu Reisen können sich nur sehr wenige Madagassen leisten. Das Geld reicht gerade um sich täglich Lebensmittel zu kaufen. Wenn Tsi über die wichtigsten Dinge im Leben spricht, dann beginnt er mit dem Wunsch bis an sein Lebensende Surfer zu bleiben und ein interessante gut bezahlte Arbeit zu haben. Aber er weiß wie schwer das alles zu vereinbaren ist, denn gut bezahlte Arbeit ist nicht einfach zu finden.

 

 

Als Kind begann er mit einem Ausleger einer Pirogue das Weißwasser anzupaddeln; einige Jahre später bekam er von einem französischen Touristen ein Surfbrett geschenkt. Mittlerweile gibt es in Fort Dauphin eine Gemeinschaft von 30 Surfern, die 10 Bretter untereinander teilen. Surfer aus anderen Ländern werden von den Locals immer akzeptiert, ja sogar freundlich aufgenommen und integriert, denn sie wissen, dass diese ihre einzige Möglichkeit darstellen um an Bretter, Wachs, Leashes und Neoprenanzüge zu kommen. Trotz alledem  hat man den Eindruck, dass sie die Geschenke nicht als selbstverständlich hinnehmen. Tsilavo ist sehr wichtig zu sagen, dass er allen seinen tiefsten Dank aussprechen möchte, die ihn von Anbeginn unterstützt haben, um seine Leidenschaft, das Surfen, zu leben.

 

Me(h/e)r vom Me(h/e)r sehen

Es ist eine Art Ritual geworden die unerträglich schönen Sonnenuntergänge zu beobachten, um uns vom Tag zu verabschieden mit der Hoffnung, dass der nächste Morgen Schwell bringt. In 50 Prozent wird unsere Hoffnung nicht enttäuscht. Verschlafene Gesichter und geschäftiges hantieren mit Surfbrettern, Ankersteinen, Leinen und Pirogenrudern. Für das Volk der Vezos, die entlang der südlichen und östlichen Küste der Insel leben, ist der Ozean die Lebensgrundlage. Sie sind nomadische Fischer – bei Ebbe sammeln Frauen Algen und Seeigel, bei Flut kreuzen die Auslegerboote der Fischer vor der Küste. Die Fischer strukturieren jedoch ihren zwei Mann Betrieb nach Preisverhandlungen kurzfristig in ein Transportunternehmen Richtung Welle um. Motoren gibt es keine, dafür ein löchriges viereckiges Segel, zusammengenäht aus Mehlsäcken und anderen undefinierbaren Stoffresten, das zwischen Himmel und Wasser gespannt ist. Der ablandige Wind am Morgen lässt uns nur selten im Stich. Buckelwale tauchen einige Meter neben unserer Pirogue auf. Sprühende Fontänen, Rücken gigantischer Ausmaße, aus dem blaugrünen Wasser herausragende Schwanzflossen auf ihrem Weg durch den Kanal von Mozambique. Und auf der Suche nach Wellen entdecken wir den Willen des großen Blaus in allen Formationen: von der kleinen mushy Rechten bis zur perfekten hohlen Linken. Ich erkenne die Erregung in den Gesichtern von Flo und Mitch und spüre eine Art wohlige Angst im eigenen Herzen. Aufgerissene Augen, klopfende Herzen und lustvolle Jauchzer.

 

Zeit für Fortbewegung

„Mora- mora“, was so viel bedeutet wie „langsam-langsam“, ist eines der ersten madagassischen Ausdrücke die wir lernen und gleichzeitig in unseren Alltag adaptieren. Auch auf den Sand- und Schotterpisten des Südens gibt es kein zügiges Vorankommen. Trotz offroad- tauglichen Autos benötigen wir für 100 km oft einen ganzen Tag. Zeit bekommt eine neue Bedeutung. Nicht auszudrücken in Kilometern, Tagen oder Wochen. Es scheint, als verlöre hier das Erinnerungsvermögen seinen Orientierungssinn.

 

Skurrile Menschen

Während unserer Reise treffen wir auf einige skurrile Typen mit Charakter. Einer von ihnen ist Andrea, ein italienischer Mittfünfziger, der seit 12 Jahren am Strand von Madagaskar lebt. Er hat eine kleine Bungalowanlage  aufgebaut – und zwischenzeitlich auch immer wieder abgebaut, um sie um einige Meter zu versetzten, auf der Flucht vor den wandernden Sanddünen. Er ist der einzige Vazaha (= gebräuchlicher Ausdruck und Ansprache für alle hellhäutigen Menschen, wie Europäer und Asiaten oder Fremde) des Dorfes, spricht fließend Malagassi und liebt die Entspanntheit des Landes und der Menschen. Er ist nicht daran interessiert seine Betten ständig mit Touristen zu füllen. Das wäre nicht sein Stil. Wer sich jedoch in das Dorf jenseits der Dünen verirrt, der wird willkommen aufgenommen. Bei einer Flasche Rotwein und einer Variation von Antipasti, bei der uns der Geschmack von Olivenöl, Basilikum und Oregano nicht verborgen bleibt, philosophiert er über das Leben. Auch wenn er sagt „I prefer the old way“ und im selben Moment sein Mobiltelefon läutet, verliert er seine Glaubwürdigkeit nicht. Er liebt es einfach hier zu leben.

Skurrile Orte


 

Und da gibt es noch dieses Dorf, das eigentlich von Europäern gegründet wurde, um von den „Schätzen“ des bei Ebbe trockenen Riffs zu profitieren. Eigentlich gewinnt man den Eindruck man befände sich am Ende der Welt, man  fühlt sich verloren in der für Madagaskar so typischen Einsamkeit. Keinen einzigen Touristen verschlägt es normalerweise hierher. Wegen des  Sturmes, der Milliarden von winzigen Sangkörnchen transportiert, sind wir sind dankbar über die Lehmhütte die uns der Chef de Village zur Verfügung stellt. Das Dorf wird regelrecht von wandernden Sanddünen überrannt. Viele Hütten stehen leer, denn die Bewohner verlassen allmählich diesen hoffnungslos wirkenden Ort. Zurückgeblieben sind nur die Fischer, die Ladenbesitzerin, die nichts und doch alles verkauft, und der Chef des Dorfes. Seine Frau läuft geschäftig durch den tobenden Sandsturm, er sitzt vor seiner Lehmhütte und ist in eine Art Resignation verfallen. Er meint, er sei schon zu alt, um noch von hier wegzuziehen, von dem Platz, an dem er sein ganzes Leben verbracht hat. Man könnte sich auch nicht vorstellen, dass er an irgendeinen anderen Platz der Erde passen würde.

 

Surfbedingungen = Surfen mit Bedingungen

 

In Madagaskar findet man unzählige Riffe mit unglaublichem Potential. Allerdings sind die lokalen Bedingungen schwer abzuschätzen. Ohne Vorwarnung trifft ein acht Fuß Schwell auf die Küste und am nächsten Morgen präsentiert sich das Meer in seiner zahmsten Form. Der Wind ist eine andere Geschichte. Er zieht heulend side-shore, er bläst erbarmungslos off-shore, er tut was er will aber das meist mit unerschöpflicher Energie. Immer wieder ergeben sich dadurch für uns perfekte Kitebedingungen, die wir nützen, um uns die Zeit an windigen schwellosen Tagen zu vertreiben.

Mir fiel ein Artikel in einer Zeitschrift über Surfen in Madagaskar zufällig in die Hände. Dort fand ich einen Satz, der die Situation wohl am besten beschreibt: „You will not get that sort of consistency here. But let’s say when it happens, it happens.“ Wir warteten viel Tage geduldig und wurden mit der besten Surf Session unseres Lebens belohnt. Und was kann man mehr verlangen?

Nach dem Glauben der Madagassen ist der Mensch nichts als ein Fremder, ein Reisender durch die Schöpfung. Wir als Alpenländer sind wohl auch nichts anderes als Besucher in der Welt des Meeres. Aber wir lieben es trotzdem auch wenn wir nur Besucher bleiben: das Warten im Line-up, die Magie einer brechenden Welle,  das Gleiten des Surfbretts, das Strahlen in den Augen der anderen.

 

Finally

Wir kamen nach Madagaskar um Wellen zu suchen und haben noch viel mehr als das gefunden. Man wird gefangen genommen von der Schönheit bizarrster Landschaften und von der Freundlichkeit der Bewohner. Die Madagassen strahlen Stolz und Zufriedenheit aus, beobachten gerne, aber leben ihr Leben wie es scheint im Einklang mit sich selbst, ihrem Land und ihren Traditionen. Und das schönste war, dass sie uns nie das Gefühl vermittelten nicht dazu zu gehören, was uns zu einem Teil des gesamten Abenteuer werden ließ.

 

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